System der Demütigung: MännerBünde und Sexismus an Kunsthochschulen und Schreibschulen

‚The Zaporozhian Cossacks write a letter to the Sultan of Turkey‘ by Ilya Repin [Public domain], via Wikimedia Commons

System der Demütigung Merkur

Über MännerBünde und Sexismus an Kunsthochschulen und Schreibschulen


Berta Belly über die sexistischen Strukturen:

Zurück in die Gegenwart – Geschlechterbeziehungen an der Kunsthochschule

„Endlich eine Diskussion zum Sexismus an Kunsthochschulen. Kunst zu studieren, heißt ja leider eine Zeitreise in die 50er Jahre zu machen.

Die Kunsthochschule stellt man sich zunächst als ein freies, offenes Experimentierfeld für neue Ästhetiken und Inhalte vor, ein Labor für Utopien, queere Gedanken und vielfältige Ideen und Gestaltungskonzepte.

Leider muss man dort angekommen feststellen, dass konservierte Wertvorstellungen und traditionelle Geschlechterstereotype, altbackene Misogynie und viriles Machtgebaren an so einer Kunsthochschule in voller Blüte stehen. Hier feiert der Sexismus fröhliche Feste und gebärdet sich, wie man ihn von Oma über die Zeit vor 70 Jahren erzählt bekommen hat.

So eine Kunsthochschule ist also so ein verwunschener Ort, an dem die Zeit stehengeblieben ist in einer Art Adenauer-Ära und dort kann man sich live anschauen, wie es damals wohl zugegangen sein muss.“


Eine sehr eindrückliche Schilderung von Darja Stocker:

Und was hat das mit Sexismus zu tun?

„Die Debatte um Rollenmuster und Sexismus am Theater, in der Literatur, an Schreibschulen kann meiner Meinung nach nicht geführt werden, ohne Parallelen zu ziehen zu weiteren Kämpfen über die Sektionen hinweg.

Ohne dass die Debatte ihren Schwung durch das ständige Mitnennen anderen Anliegen verliert, glaube ich, dass das System der Männerbünde und -förderungen weitreichende Konsequenzen im gesamten Kulturbetrieb hat, der nicht nur Frauen ausschließt, sondern vor allem bestimmte Frauen, bestimmte Männer und die darüber hinaus in erschreckender, kolonialer, will heißen physiognomischer Tradition Menschen von der Bühne ausschließt, die optisch als nicht weiß definiert werden.“


Hier antwortet Darja Stocker auf die Debatte, die ihr Text ausgelöst hat. Die persönlichen Angriffe und Abwehrreaktionen, denen sie ausgesetzt war, sprechen Bände! Kann mal bitte jemand ein ‚Kompendium der Abwehr‘ schreiben?! Ich erlaube mir diesbezüglich einen längeren Auszug:

Was hat das mit Sexismus zu tun? Eine Replik

„Die Intention meines Textes war kein Porträt oder gar eine Geschichte der damaligen Berliner Schreibschule, der Titel nicht: „Und so war die UdK damals und so waren ihre Profs und Studierenden“ – worauf eine der Repliken „So war’s nicht“ ja gepasst hätte –, sondern mein Titel war: „Was hat das mit Sexismus zu tun?“ Dabei konzentriere ich mich auf die Aspekte, die auf eine sexistische Struktur hinweisen.

Die Beschreibung diese Aspekte und meine Suche nach „Was hat das mit Sexismus zu tun“ wird nun von ein paar dieser ehemaligen Studentinnen und einer Kommiltonin als „Verleumdung“, „haltlose persönliche Angriffe“, „klare Lügen“ bezeichnet.

Meinen Aussagen fehle die Bodenhaftung, heißt es, sie seien absurd, irrsinnig. Ich selber sei „mächtig unentspannt“, es ginge mir nur darum „die Krassheitsspirale“ nach oben zu drehen und ich „möchte es unbedingt in das Sexismusthema hineinschaffen“. Weil ich das Naheverhältnis eines Professors zu Studentinnen thematisiere, sei ich – sinngemäß – verklemmt.

Von einer ehemaligen Studentin, in den 70ern geboren, wird projiziert, dass ich auch das Rauchen in einem Partyraum verurteilen würde – und eine ehemalige Studentin aus derselben Generation, setzt oben drauf: Auch den Alkohol!

Ich werde als lustfeindlicher Mensch, als Teil einer neuen, überempfindlichen Generation dargestellt und dazu aufgefordert, nicht alles als Sexismus zu bezeichnen, was der „sensiblen Psyche“ in die Quere komme. Es wird suggeriert, dass man als angehende Autorin mit sensibler Psyche an dieser Hochschule die falschen Voraussetzungen mitbringe.“


Hier die weiteren Texte zum Dossier vom Merkur:

Shida Bazyar

Bastelstunde in Hildesheim oder Warum ich in Hildesheim lernte dass der eine -ismus mich davon abhält über den anderen zu reden

Alina Herbing

Spaß haben und blödes Zeug reden

Martin Spieß

Teil des Problems

Lena Vöcklinghaus

Schreibschultagebuch, transatlantisch

Katja Brunner

EINE KLEINE sehr unvollständige REDE AN DIESE LUSTIG GELAUNTE WELT

Katherin Bryla

Konkurrenz und Kanon

Özlem Özgül Dündar

die erstbeste

Ursula Kirchenmayer

„Ich fand Sie schon immer so exotisch“

Anke Stelling

Größer als null

Donat Blum

Wie ich zum Feministen wurde – und was das mit dem Schweizerischen Literaturinstitut zu tun hat: wenig

Paula Fürstenberg

Lesen, schreiben, lernen, wüten, ausblenden. Und von vorn

Martina Hefter

Ein paar ehrliche Anmerkungen zur Sexismusdebatte

Lene Albrecht und Magdalena Schrefel

FRAGENKATALOG SSIS – If, Then, Else

Stefan Mesch

Austeilen, Abgrenzen, Angstmachen, Einstecken.  Fünf Jahre als Schreibschüler

Tatjana von der Beek

Plädoyer für eine einfühlsame Sachlichkeit

Jana Zimmermann

Wir würden dann jetzt weitermachen

Helene Bukowski

Mädchenbande

Sebastian Polmans

Mitakuye Oyasin

Joceline Ziegler

An uns scheitert es nicht, wenn du dich ausziehen willst. Ausflug zu einer ganz normalen Uni

Paul Brodowsk und Florian Kessler

Der blinde Fleck

Christiane Frohmann

Wirklich nett gemeinter Sexismus: Ein etwas länger zurückreichender Blick, im Gegenstand aber wohl zeitlos

Berit Glanz

Vier Gedankensplitter zur Frage nach Sexismus in den Geisteswissenschaften

Rea Mair

Ich bin die Schreibschule. Fragt mich mal, wie ich sein will! Nämlich anders.

Sandra Gugic

FuckAbilities

Felix Schiller

Du musst nicht performen

Sabine Scholl

Die Dozentin

Wie Männerrunden Frauen von Karrieren ausschließen


Entmännlichung, Selfmade-Männer und Sexismus in Interviews
Geilheit! Diese ständige Geilheit!
Men Are Still Good I.
Top 3 Moments In Male Fragility | By Francesca Fiorentini
Man Enough | Episode 1
No More Bullshit: Das Handbuch Gegen Sexistische StammtischWeisheiten | Sorority
Jüngstes Gericht: Neues Blog über Sexismus im JuraStudium
Stalking For Love | Pop Culture Detective

Men’s Studies

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