Agent*In: Kritisches Wiki über Antifeminismus

‚Judith Beheading Holofernes‘ by Caravaggio (1598-99), via Wikimedia Commons

Agent*In agentin.org

Tolles Projekt vom Gunda-Werner-Institut gwi-boell.de

Was ist die „Agent*In“ ?

Die Agent*In (Abkürzung von Anti-Gender-Networks Information) ist ein Anti-Feminismus-kritisches Online-Lexikon, das als sogenanntes Wiki (analog zum Online-Lexikon Wikipedia) konzipiert wurde. In dem Wiki werden Wissen, Daten, Fakten und Zusammenhänge über die Einflussnahme von antifeministischen Akteur_innen auf Politik und Öffentlichkeit gesammelt und organisiert. Alle Informationen sind aus öffentlich zugänglichen Quellen zusammengetragen, neu ist die Verknüpfung und Zusammenstellung der Daten sowie die Einordnung der Akteur*innen.

Worum geht’s?

Die gesellschaftliche Polarisierung zwischen autoritär orientierten Parteien und Gruppierungen und emanzipatorischen Kräften, die eine offene und liberale Gesellschaft mit all ihren Errungenschaften verteidigen wollen, nimmt zu. Mittendrin können wir seit Jahren Antifeminismus beobachten, der als verbindendes Element, als Kitt zwischen (national)konservativen, rechtspopulistischen bis hin zu rechtsextremen Einstellungen und Politiken fungiert und die Brücke in die sogenannte Mitte der Gesellschaft bildet. In dieser sind antifeministische Positionen gleichfalls verankert.

Islamfeindlichkeit, Homophobie und Ablehnung von ‚Gender-Ideologie‘ verbinden eine bunte Mischung von Rechtsaußenparteien, Gruppierungen und fundamentalistischen Bewegungen in ganz Europa und über die Grenzen Europas hinaus. In Deutschland gehören zu diesem Spektrum u.a. die AfD, Pegida, HogeSa, Besorgte Eltern, Demo für alle, die Zivile Koalition, sogenannte Lebensschützer oder christlich-fundamentalistische Organisationen und Gruppierungen der Neuen Rechten.

Diese antifeministischen, geschlechtskonservativen und mitunter rassistischen Kreise mobilisieren z.T. schon seit Jahren auf europäischer und nationalstaatlicher Ebene gegen Gleichstellungspolitik und emanzipative Geschlechterbewegungen wie auch gegen die Geschlechterforschung. Durch Demonstrationen, sprachliche Subversion und Aktionen, die sich z.B. gegen „Gender-Wahn“ oder die „Frühsexualisierung unserer Kinder“ richten sowie gezielte Tabubrüche wollen sie Einfluss auf den öffentlichen Diskurs nehmen.

Unterstützung erhalten diese Gruppierungen u.a. von (ultra)konservativen Publizist_innen. Der Blick auf Leitmedien, Talkshows und Bestsellerlisten zeigt, dass der Einfluss von Anti-Feminist_innen in den letzten Jahren stärker geworden ist. Egal ob es sich um die Thematisierung sexueller und geschlechtlicher Vielfalt in der Gesellschaft, in Schulen oder in den Gender Studies handelt oder um Familien- und Rollenvorstellungen – der Protest richtet sich stets gegen post-essentialistische Sexualitäts- und Genderkonzepte.

Wer oder was wird in die Agent*In aufgenommen?

Gruppierungen, Vereine, Verbände, Institutionen, Netzwerke, politische Strömungen, Personen etc. werden in das Wiki aufgenommen, wenn sie mit ihren Aktivitäten, Publikationen, Programmen, Protesten etc. anti-feministisch in Erscheinung getreten sind. Mit dem Begriff Antifeminismus beschreiben wir verschiedene gesellschaftliche Strömungen, die sich gegen Frauen, vor allem in öffentlichen Funktionen, gegen Geschlechtergleichheit oder die Frauenbewegung und den Feminismus richten.

[http://www.gwi-boell.de/de/2017/07/17/agentin-antifeminismus-kritisches-online-lexikon]

Agent*In agentin.org


„Pranger“ oder Alltag im Geschlechterkampf?

Das Online-Portal „Agent*In“ der Heinrich-Böll-Stiftung listet Gegner feministischer Positionen auf – und stößt auf harsche Kritik.

Von Kathleen Hildebrand Süddeutsche Zeitung

„Im Aufbau mag Wikimannia, wie jedes Wiki, vergleichbar sein mit dem Lexikon des Gunda-Werner-Instituts. Inhaltlich und sprachlich ist es das jedoch nicht. Wikimannia hat 3900 Artikel. In dem zu Alice Schwarzer ist sie als Karikatur zu sehen. Mit einer Nazi-Armbinde, auf der das biologische Symbol für Weiblichkeit an Stelle des Hakenkreuzes zu sehen ist. „Hass auf alles Männliche ist mein Lebensmotto“ steht in der Bildunterschrift.

Wikimannia ist ein Hetzportal, dessen Autoren nicht einmal so tun als hätten sie das Wohl von Männern und Frauen im Blick. In einem Artikel mit dem Titel „Geschichte der Familienzerstörung“, der momentan auf der Startseite von Wikimannia steht, werden die großen Gesetzesänderungen bezüglich der Ehe seit 1957 aufgelistet. Punkt fünf in dieser „Chronik der Familienzerstörung“ ist die Gesetzesänderung von 1997, die Vergewaltigung in der Ehe zum Verbrechen erklärte. Die meisten Artikel sind offen frauenfeindlich, zumindest aber höhnisch.“


Breaking The Boys Code Of Masculinity / Bill Pozzobon
Wenn Männer mir die Welt erklären / Rebecca Solnit
Men Explain Things To Me / Rebecca Solnit
Die traurige Welt der Antifeministen: Mein erster Eintrag auf WikiMANNia
John Oliver on Alex Anger Jones (InfoWars)
Dunkle Materie, AstroSperma, PornoPsychologie
The Case Against The Jedi | Pop Culture Detective
Wenn Männer in Hörbüchern Frauenstimmen nachahmen
Männerseelen / Björn Süfke
POCAHONTAS II: Buch der Königstöchter / Klaus Theweleit

Men’s Studies

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