Wenn Männer in Hörbüchern Frauenstimmen nachahmen

By John Singer Sargent [Public domain], via Wikimedia Commons

Piepmätzchen

Wenn Männer in Hörbüchern Frauenstimmen nachahmen, soll der Hörer leichter folgen können. Das Ergebnis ist eine einzige Zumutung.

Von Wolfgang Luef | SZ-Magazin | Auszug

„Es käme ja auch kein Nachrichtensprecher auf die Idee, Zitate von Angela Merkel oder Theresa May mit künstlich hoher Stimme zu sprechen.

Ich habe mit mehreren Hörbuchsprechern darüber geredet. Dabei wurde klar: Sie alle kennen das Problem – und versichern, dass sie versuchen, Frauen so zurückhaltend wie möglich zu sprechen, bei der Imitation nicht zu übertreiben. Daraus schließe ich, dass wir unterschiedliche Schmerzgrenzen haben.

Zudem sagen die Hörbuchsprecher, dass sie die Figuren eines Romans unbedingt unterscheidbar halten wollen. Deshalb sprechen sie einen schlitzohrigen Bösewicht eher knarrend, einen liebenswerten Dicken eher kehlig, sie lassen das Alter, die Laune und auch eben das Geschlecht jeder Figur in ihre Stimme fließen. Der Hörer soll es leicht haben, er soll in jeder Sekunde erkennen, wer da spricht. Und zwar selbst dann, wenn der Leser des gedruckten Romans das noch nicht erkennen würde.

Nach dieser Logik könnte man auch dafür argumentieren, direkte Zitate von Frauen in Romanen lila zu drucken, um gleich klarzumachen: Jetzt spricht eine Frau.“

SZ Magazin

[http://www.sueddeutsche.de/kultur/frauenstimmen-in-hoerbuechern-piepmaetzchen-1.3576030?reduced=true]


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