Wenn ich meine Frau mal ein bisschen gestreichelt habe | Joachim Kaiser, MusikKritiker

Public domain, via Wikimedia Commons

„Du streichelst mich wie einen Hund.“

…traurige Zitate von toten oder tot einsamen Männern, die mich sprachlos machen, weil sie so unglaublich trostlos und beschämend sind. Heute: Joachim Kaiser.

Aus einem Interview mit Max Fellmann und Tobias Haberl in der Süddeutschen Zeitung:

Sie haben Tausende von Konzerten besucht, Tausende von Büchern gelesen und Tausende Kritiken, Rezensionen, Nachrufe geschrieben. Hatten Sie je so etwas wie Freizeit?

Ich schreibe schrecklich fleißig und verderbe mir damit mein Leben. Manchmal denke ich, ich kann gar nicht leben, sondern nur arbeiten.

Ihre Familie hatte es nicht leicht mit Ihnen, oder?

Natürlich muss man fragen, ob Leute wie ich, die so viel krankhafte Passion und Seelenkraft in Hochkultur investieren, Kinder kriegen sollten. Wenn ich meine Frau mal ein bisschen gestreichelt habe, sagte sie mit einem gewissen Recht: »Du streichelst mich wie einen Hund. Du bist ja mit den Gedanken gar nicht dabei.«

„Ich kann gar nicht leben, sondern nur arbeiten.“

Aus einem Interview mit Georg Diez und Dominik Wichmann, ebenfalls für die SZ:

Gibt es ein Musikstück, das Sie nicht hören können, ohne zu weinen?

Ich habe praktisch noch nie in meinem Leben Kopfschmerzen gehabt. Ich kann mich eigentlich nicht erbrechen, ich habe vielleicht zweimal gekotzt. Und ich kann auch kaum weinen. Schade, es muss erleichternd sein, wenn man heulen oder kotzen kann. Und nicht alles bei sich behält.

[…]

Ein Gefühl der kulturellen Vereinsamung?

Die seit dem Tod meiner Frau auch eine persönliche Vereinsamung ist. Als meine Frau noch lebte, sagte ich grimmig: »Wenn du da bist, gehst du mir auf die Nerven, wenn du weg bist, fehlst du mir.« Eine ziemlich realistische Beschreibung der meisten eheähnlichen Verhältnisse.

„Wenn du da bist, gehst du mir auf die Nerven, wenn du weg bist, fehlst du mir.“

Wie haben Sie den Tod Ihrer Frau erlebt?

Als eine Kränkung. Wir führten keine ideale Ehe, das gibt es gar nicht. Der Schriftsteller Walter Dirks hat einmal zu mir gesagt: »Die Ehe ist dazu da, dass die Menschen sich an die menschlichen Bedingungen des Lebens gewöhnen.« Heute würde ich noch weitergehen. Wenn ich irgendwo ein ganz eng umschlungenes, sich wahnsinnig ostentativ liebendes junges Paar sehe, dann weiß ich: In einem Vierteljahr sind die völlig verkracht auseinander.

Wenn ich dagegen ein junges Paar beobachte, wo sie anfängt, eine Geschichte zu erzählen, und er sie sofort unterbricht, »nein, das sagst du ganz falsch, das war doch so und so«, und wenn er dann etwas vorträgt und sie kritisiert, »lass es doch, das hast du doch schon fünfzehn Mal erzählt«: Dann weiß ich, die Beziehung dauert fünfzig Jahre.

R.I.P.

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