It is Time For Porn To Change / Erika Lust über intelligente Pornos

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„Ein Freund erzählte, dass er angefangen hat, den Mädchen ins Gesicht zu sehen. Ab dann funktionierte es für ihn nicht mehr.“

Erika Lust ist es leid, dass meist Männer bestimmen, was erotisch ist. Die Regisseurin erzählt, wie man intelligente Pornos dreht.

Süddeutsche Zeitung Auszug

Elisabeth Gamperl / Pia Ratzesberger

Erika Lust: Na ja, meine Filme schauen noch immer mehr Männer. 60 Prozent ungefähr. Jeder denkt, dass Männer nur auf den Standardporno mit jungen Frauen und großen Brüsten stehen, aber es gibt eine neue Generation von jungen Männern. Sie wollen etwas Intelligenteres.

Süddeutsche Zeitung: Intelligent sind die meisten Pornos nicht.

Erika Lust: Wenn Leute das Wort Porno hören, denken sie auch nicht an gute Filme, sondern an Youporn und Pornhub. Die meisten Leute, die Pornos drehen, haben keine Ahnung vom Film. In den meisten Mainstreampornos wird es so dargestellt, als wäre Sex etwas, das Männer den Frauen antun.

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SZ: Ist ein guter Porno immer feministisch?

Erika Lust: Für mich schon. Feministischer Porno sollte nicht einmal mehr eine Kategorie sein.

SZ: Wird die weibliche Lust in den gängigen Filmen mystifiziert?

Erika Lust: Absolut. Es machen mehr Männer Pornofilme, doch die sind nervös, wenn es um die weibliche Lust geht.

SZ: Worauf führen Sie das zurück?

Erika Lust: Die Männer wissen nie, ob die Frau gekommen ist oder nicht. Es gibt ein paar Hinweise, die Pupillen, die roten Flecken am Hals, aber das ist nicht das Gleiche.

SZ: Also lieber gleich den Mann zeigen, weil bei dem die Sache klar ist?

Erika Lust: Der Typ ist im Mainstreamporno immer der tragende Charakter. Man sieht zwar die ganze Zeit die Frau, doch sie ist nur das schöne Objekt. Aber das heißt nicht, dass man im feministischen Porno nicht mehr die Lust des Mannes sehen sollte.

SZ: Fürchten das manche?

Erika Lust: Wenn es um Feminismus geht, überreagieren die Männer sofort: Ja wie, soll der Mann keine Rechte mehr haben? Natürlich nicht, kommt mal runter, das heißt einfach nur, dass Frauen die verdammt gleichen Rechte haben wollen wie Männer.

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SZ: Die Männer kommen in Ihren Filmen auch gut weg, oder?

Erika Lust: Sie werden vermenschlicht. Sie müssen keine Sexmaschinen mehr sein, im Mainstream nämlich sieht man vor allem ihren Penis. […] Viele meiner männlichen Freunde erzählen mir, dass sie die Mainstream-Filme mögen. Sie sehen sie sich anund denken nicht darüber nach. Aber wenn ich sie dann frage, ob diese Mädchen wirklich so aussehen, als hätten sie Spaß, dann beginnen sie nachzudenken und werden nervös.

SZ: Wirklich?

Erika Lust: Ein Freund erzählte, dass er angefangen hat, den Mädchen ins Gesicht zu sehen. Ab dann funktionierte es für ihn nicht mehr.

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