Feindbild Frau | Rolf Pohl

Prof. Dr. Rolf Pohl

„Wenn meine Laune zu überbordend wird, las ich mit vorzüglicher Trauer Rolf Pohls ‚Feindbild Frau‘, um nicht einzuschlafen.“

Sybille Berg

Feinbild Frau

Männliche Sexualität, Gewalt und die Abwehr des Weiblichen

INHALT | INTERVIEW | VORTRAG

Inhaltsverzeichnis

1. Zur kulturellen Konstruktion von Männlichkeit

Das Männlichkeitsdilemma | Die Geburt des Mannes in der Männergruppe | Vermännlichung durch Initiation | Die Verleugnung der Weiblichkeit | Die virile Selbsterzeugung des herrschenden Geschlechts | Die Reproduktion der männlichen Überlegenheit und Herrschaft | Mythen der Männer – Gewalt gegen Frauen | Menstruationsblut und Sperma – Überwindung der weiblichen Todesmacht

2. Zur Konstitution der männlichen Sexualität

Vom Trieb zum Objekt – Das Dilemma der Sexualität | Plastizität der Psyche und Haftbarkeit der Libido | Sexualität und Selbsterhaltung – die Anlehnungsthese | Primärprozeß und Sekundärprozeß – der Mythos von der „freien Sexualität“ | Objekt der Liebe – Objekt des Hasses | Frühe Spaltungsvorgänge im Subjekt | Die Prävalenz des Hasses | Männliche Sexualität und Sadismus | Penis und Phallus. Primat der männlichen Genitalität | Autoerotismus und Objektliebe | Genitale Sexualität und phallischer Narzißmus | Der Penis als »Exekutivorgan« der männlichen Sexualität | EntIdentifizierung und männlicher Autonomiewahn

3. Männliche Feindbilder und die Verfolgung des begehrten Geschlechts

Vorbemerkung | Die paranoide AbwehrKampfHaltung bei männlichen Jugendlichen | Fremdenhaß, Gewaltbereitschaft und politische Paranoia | Weiblichkeitsabwehr und Homophobie bei männlichen Jugendlichen | Männlichkeit, Perversion und destruktive Sexualität | Wahn, Perversion und Gewalt – Elemente der männlichen Geschlechtsidentität | Die Penifizierung der Sexualerregung und die Dehumanisierung der Frau | Die Angst des Mannes vor dem weiblichen Geschlecht | Der »nachgeahmte Instinkt« – Trieb und Objekt in der männlichen Perversion | Krieg, Militär und die männliche Ordnung der Geschlechter | Sexualisierung derWaffen und aggressive Aufladung der männlichen Genitalität | Massenvergewaltigungen – Krieg gegen das weibliche Sexualobjekt | Der Mythos vom nichtsexuellen Charakter der sexuellen Gewalt


Männliche Initiationsriten unter Ausschluß der Frauen und die gesellschaftliche Abwertung von Weiblichkeit sind für die kulturelle Erzeugung hegemonialer Männlichkeit entscheidend.

Rolf Pohl


Die Abwertung von Frauen gehört fest zur männlichen Identität

Psychologe Rolf Pohl über Sexismus Taz vom 6.März 2009

Auszug

Sie sagen, die Geringschätzung [gegenüber Frauen] präge sich früh ein. Wie tut sie das?

Unser vorherrschendes Männlichkeitskonzept lautet: Sei autonom, hab alles unter Kontrolle. Besonders in der Sexualität hat ein Mann aber weder seine Sexualfunktionen noch die Aktion oder Reaktion der Frau unter Kontrolle. Diese Diskrepanz macht in zweifacher Richtung Angst: Nach einer Umfrage haben 84 Prozent der deutschen Männer Angst vor Potenzversagen und 88 Prozent Angst vor Frauen. Und diese Angst wird häufig durch eine Kontrollfantasie kaschiert: Ich kann immer, sie will immer. Je abhängiger er sich fühlt, desto eher neigt er zur Kontrolle bis hin zur Gewalt. Und da geht es nicht um Bagatellen, solange die UNO zählt, dass weltweit jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben von Männern körperlich oder sexuell misshandelt wird. […]

Und wie soll man daran etwas ändern können?

Man muss an die Wurzeln gehen. Im Moment wird der Mythos aufrechterhalten, dass Männer ihre Sexualität benutzen können, wie sie wollen. Entweder als Waffe oder friedlich. Die Angst, die dem zugrunde liegt, kommt nicht zur Sprache. Über diese Angst müssen wir reden, nicht erst über ihre Konsequenzen, die Gewalt.

Können Eltern ihre Söhne zu „Antisexisten“ erziehen?

Da bin ich etwas skeptisch. Solange es gesellschaftlich verpönt ist, dass Männer ihre Hilfsbedürftigkeit zugeben, kann sich das Gefüge nicht ändern. Aber es gibt Väter, die Elternzeit nehmen.

Trauen Sie denen nichts zu?

Das sind sehr wenige, die einen verlängerten Familienurlaub nehmen. Vor allem aber kommt es darauf an, welche Form von Männlichkeit der Vater repräsentiert. Der Vater kann nach außen wie ein „neuer Mann“ wirken – aber unbewusst weiter seine Frau abwerten, etwa weil er sich als Supervater inszeniert, der alles besser kann. Dann hat er wieder das traditionelle Männlichkeitsbild vermittelt.

Wie sollen sich Männer verhalten? Alles herkömmlich „Männliche“ wird doch honoriert. Kein Wunder, dass keiner der Frauenversteher sein will.

Eines der wirksamsten Mittel gegen Vorurteile ist für meinen Lehrer Peter Brückner das Hören auf „unpassende Nachrichten“. Das heißt, man darf dieses Unbehagen in den Geschlechterbeziehungen nicht zukleistern, sondern muss weiterfragen, was für eine Angst die Männer an diesem Punkt befällt.

Taz vom 6.März 2009


Antifeminismus und deutsche „Männerbewegung“

Der Sozialpsychologe Rolf Pohl referiert über Antifeminismus und Weiblichkeitsabwehr in der neuen deutschen „Männerbewegung“.

In 5 Thesen beschreibt er deren Klagen über die „Krise der Männer“ und die „Benachteiligung der Jungen“ als Quelle frauenfeindlicher Schuldzuweisungen.


Das Ende der Männer: und der Aufstieg der Frauen | Hanna Rosin
Wenn Männer in Hörbüchern Frauenstimmen nachahmen
Extreme Masculinities #1 | Journal Of Extreme Anthropology
Graffiti – Von Männern und Mauern
Die Männer auf meiner Couch / Brandy Dunn mit David Rensin
Was ist das für 1 Männlichkeit? Männlichkeiten zwischen Selbst- und Fremdbildern
Machonomics / Katrine Marçal
Inequality In 900 Popular Films
Warum Männer mauern / Scott Wetzler

Men’s Studies

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