Das Lachen der Täter, Psychogramm der Tötungslust / Klaus Theweleit

Anders Behring Breivik

Vom Lachen der Killer wird in zahlreichen Fällen berichtet, aber selten wird es in seiner zentralen Bedeutung gedeutet – so die provokante These dieses Psychogramms.

In den „Männerphantasien“ wagte Theweleit erstmals eine Beschreibung des gewalttätigen faschistischen Mannes und seines innerlich fragmentierten, äußerlich aber gepanzerten Körpers.

Auf diese bahnbrechende Theorie greift er nun zurück, um die brutalen Mordtaten zu untersuchen, mit denen uns die Aktualität täglich konfrontiert:

Anders Breivik, der selbsternannte Tempelritter, der 67 Jugendliche auf der norwegischen Insel Utøya erschießt; die Killer des „Islamischen Staats“, die grausame Köpfungen im Internet ausstellen; fanatisierte Attentäter, die die Karikaturisten von „Charlie Hebdo“ hinrichten; Kindersoldaten, die im Genozid an der Tutsi-Bevölkerung in Ruanda gelernt haben, zu morden und zu vergewaltigen.

Ihnen allen gemeinsam ist „das Lachen der Täter“, in dem sich eine Tötungslust offenbart, die die jeweilige politische Begründungssprache nur unzureichend verbergen kann.

Männerphantasien / Klaus Theweleit

Quote:

„Der Körpertyp ’soldatischer Mann‘, den ich in ‚Männerphantasien‘ als psychophysisch ‚Nicht-zu-Ende-Geborenen‘ bezeichnet habe, ist gekennzeichnet durch spezifische psychische Prozesse, die Erhaltungsmechanismen – an erster Stelle die Entdifferenzierung und die Entlebendigung (wie ich Margaret Mahlers Begriff ‚deanimation‘ übersetzt habe).

Beide vollziehen sich als massive Gewalteingriffe in die äußere Welt. Psychodynamisch sind es prmärprozesshafte halluzinatorische Wunscherfüllungen, die sich in speziellen Wahrnehmungsidentitäten realisieren; ich fand drei, die sich in den Gewaltakten ’soldatische Männer‘ ständig wiederholen. Die Wahrnehmungsidentitäten ‚leerer Platz‘, ‚blutiger Brei‘ und ‚Black Out‘.

Sie alle drei führen (in verschiedenen Intensitäten) zu einer momentanen körperlichen Erleichterung, die sich bevorzugt in exzessivem Gelächter Bahn bricht.

Berichtet wird die Erscheinung dieses Gelächters vor allem von Opfern der Gewalt; aufgezeichnet überwiegend von Journalisten und Künstlern. Ihre aktuellen Aufzeichnungen in Zeitungen, Filmen, Romanen, Theaterstücken bestätigen ihr Fortdauern.

Fast alles stimmt noch in schrecklichster Weise.“

Das Lachen der Täter, S. 227

Die Lachnummern Eric David Harris und Dylan Bennet Klebold vom Amoklauf an der Columbine High School 1999:

   

Plus obligatorischem Selbstmord – Ausschnitt aus einem Interview mit Klaus Hurrelmann:

SZ

„Warum bringt sich so jemand, nachdem er das, worauf er so lange hingefiebert hat, durchgeführt hat, selbst um?“

Hurrelmann

„Alle diese Taten haben systematisch die Selbsttötung eingeplant. Die allermeisten bringen sich auch tatsächlich um.“

SZ

„Wobei es mehrere der von Peter Langman beschriebenen Täter nicht selbst schafften. Sie bettelten dann aber geradezu darum, dass die Polizei sie erschießen möge.“

Hurrelmann

„Genau. Die Selbsttötung gehört zur Tat dazu. Daher kommt der Name Amok auch: Es handelt sich um einen Menschen, der nicht nur seine Umwelt hasst, sondern auch sich selbst. Das fällt zusammen. Das macht sie ja auch so unverständlich.“


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