Was bedeutet Herrklärung?

In einem Essay auf der unabhängigen kritischen Website tomdispatch.com mit dem Titel Men Explain Things to Me. Facts Didn’t Get in Their Way erzählte Rebecca Solnit im April 2008 eine Anekdote, die sie 2003 erlebt hatte.

Men Explain Things to Me. Facts Didn’t Get in Their Way

Auf einer Party sagte ihr der Gastgeber, ein älterer, wohlhabender Mann, er habe gehört, dass sie einige Bücher geschrieben habe. Sie begann, über ihr kurz vorher veröffentlichtes Buch über Eadweard Muybridge zu sprechen. Daraufhin unterbrach ihr Gegenüber sie mit der Frage, ob sie von dem kürzlichen Erscheinen eines ausgesprochen wichtigen Muybridge-Buchs gehört habe, und erging sich, ohne eine Antwort abzuwarten, in Auslassungen über das Buch, das er – so stellte sich später heraus – nur aus Rezensionen kannte. Der wiederholte Einwurf von Solnits ebenfalls anwesender Freundin, es handle sich dabei um Solnits Buch, fand erst beim dritten oder vierten Mal Gehör, verschlug dem Herrn jedoch nur einen Moment lang die Sprache.

Solnits Essay von 2008 griff weiter aus: Es gebe weit gravierendere Folgen einer Haltung, die Frauen die Glaubwürdigkeit abspricht, als die in der Anekdote geschilderten. So habe etwa in Ländern des Nahen Ostens die Aussage von Frauen vor Gericht kein Gewicht, weshalb diese einen männlichen Zeugen finden müssten, um ihren Vergewaltiger vor Gericht bringen zu können.

Und auch in den USA sei es trotz aller Fortschritte immer noch ein wichtiges feministisches Ziel, „Frauen sowohl Glaubwürdigkeit als auch Gehör zu verschaffen“ und zu erreichen, dass „Vergewaltigungen, auch in Beziehungen und in der Ehe, sowie häusliche Gewalt und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz als Straftaten behandelt werden.“ Schließlich sei in ihrem Heimatland, den USA, eine der häufigsten Todesursachen von Schwangeren die Ermordung durch ihren Ehemann oder Ex-Ehemann.

2014 veröffentlichte Solnit Men Explain Things to Me (deutsch: Wenn Männer mir die Welt erklären), eine Sammlung von sieben Essays, die sich unter anderem mit den Themen Gewalt gegen Frauen, Gleichheit der Geschlechter sowie Virginia Woolf und Susan Sontag beschäftigen.

Wenn Männer mir die Welt erklären / Rebecca Solnit

In dem titelgebenden Essay findet sich ihr Text von 2008. Solnit beschrieb hier zusätzlich Reaktionen auf den Text und präzisierte ihre eigene Position, auch in Bezug auf den Begriff Mansplaining.

Hier stellte sie klar, dass sie mit der Kreation des Begriffs nichts zu tun habe, auch wenn ihr Essay wohl eine Initialzündung dafür war, weil er den Zeitgeist sehr gut wiedergebe. Sie selbst habe Vorbehalte gegen das Wort und verwende es kaum, weil es ihrer Meinung nach nahelege, dass es sich um ein generelles „männliches Fehlverhalten“ handle, wo doch in Wirklichkeit nur manche Männer so handelten.

Solnit ist durchaus „der Ansicht, dass auch Frauen anderen manchmal auf herablassende Weise Dinge erklären, nicht zuletzt Männern.“ Doch sage dies „nichts über das Machtgefälle, das noch unheilvollere Formen annehmen kann, oder über das Muster, nach dem das Geschlechterverhältnis in unserer Gesellschaft im Allgemeinen funktioniert.“ Hieraus lässt sich ableiten, dass die Autorin das von ihr geschilderte Verhalten für die Spitze eines Eisbergs hält:

„Das geschilderte Gesprächsverhalten ist eine Methode, im höflichen Diskurs Macht auszuüben – die gleiche Macht, mit der auch im unhöflichen Diskurs und durch Akte körperlicher Einschüchterung und Gewalt Frauen zum Schweigen gebracht, ausgelöscht, vernichtet werden – als Gleichwertige, als Partizipierende, als Menschen mit Rechten und viel zu oft schlicht als Lebende.“ Rebecca Solnit

Ihr habe der Essay verdeutlicht, so Solnit, dass es ein Kontinuum gäbe, „das von geringfügigeren gesellschaftlichen Missständen bis zum gewaltsamen Zum-Schweigen-Bringen und zu gewaltsamem Tod reicht.“

Prägung und Verbreitung des Begriffs

USA und Australien

Solnit verwendete das Wort Mansplaining in ihrem Essay vom April 2008 nicht. Es wurde erst kurz nach dem Erscheinen des Essays geprägt und fälschlicherweise gelegentlich Solnit zugeschrieben. Erstmals wurde mansplaining am 21. Mai 2008 in einem Blogbeitrag benutzt.

Es entstand die Website Academic Men Explain Things to Me (deutsch: Wenn Akademiker mir die Welt erklären). Dort tauschten sich Hunderte von Akademikerinnen über Situationen aus, „in denen sie herablassend behandelt oder kleingemacht worden waren, man schlecht über sie geredet hatte und anderes.“

Gegen Ende der 2000er Jahre verbreitete und erweiterte sich der Begriff Mansplaining rasch innerhalb der feministischen Bloggerinnenszene. In einem Blogeintrag von 2010 findet sich die Umschreibung, Mansplaining sei, „wenn ein Mann dir, einer Frau, erklärt, wie du etwas tun sollst, das du bereits tun kannst, oder wo du im Irrtum bist über etwas, bei dem du in Wirklichkeit Recht hast, oder wenn er dir falsche angebliche Fakten zu einem Thema erklärt, über das du viel mehr weißt als er.“

Solnit sieht am Ursprung von Mansplaining „das durch und durch provokative Selbstvertrauen der vollkommen Unwissenden“, das nach ihrer Erfahrung geschlechtsspezifisch sei. Sie stellt jedoch klar, dass nur manche Männer diese dünkelhafte Haltung zeigen, die deren „durch nichts gestütztes überzogenes Selbstvertrauen“ stärke und Frauen in „Selbstzweifel und Selbstbeschränkung“ führe.

In den US-amerikanischen und australischen Medien wurde Mansplaining ab 2012 immer wieder benutzt, um männliche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, aber auch fiktionale Figuren zu beschreiben.

Darunter waren Mitt Romney, der republikanische Präsidentschaftskandidat von 2012, der Gouverneur von Texas Rick Perry, der MSNBC-Moderator Lawrence O’Donnell, mehrere Figuren der HBO-Serie The Newsroom, der Musikproduzent Jimmy Iovine, der australische Premierminister Malcolm Turnbull, der Schauspieler Matt Damon und der Verbraucherschutzanwalt Ralph Nader.

Matt Damon interrupted a black filmmaker to mansplain diversity to her

Deutscher Sprachraum

Deutschsprachige Medien wandten den Begriff nicht auf Personen an, sondern rezipierten ihn im Zusammenhang mit den Auszeichnungen, die das Wort erhielt, vor allem mit der Wahl zum Wort des Jahres 2014 in Australien. Julia Bähr machte in der FAZ den alltäglichen Sexismus von Mansplainern an deren genereller Annahme fest, „die ihnen gegenüberstehende Frau wüsste weniger als sie“.

Sie wies darauf hin, dass diese Überheblichkeit häufig auch schon im Ungleichgewicht der Anrede stecke: Ein herablassendes „junge Frau“ sei bei Mansplainern häufig, eine Antwort mit „alter Mann“ treffe jedoch in der Regel auf humorloses Unverständnis.

Komm, Kleines, ich erklär’ dir die Welt

Ganz im Sinne von Rebecca Solnit urteilte Kathrin Hollmer im Magazin Jetzt der Süddeutschen Zeitung, das eigentliche Problem des Mansplaining sei das Schweigen, das es nach sich ziehe – von Frauen und Männern.

Auszug aus Wikipedia


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